Neues Design, schnelleres Theme, aufgeräumte Inhalte: Ein Relaunch macht Spaß, solange nach dem Livegang nicht plötzlich die Besucher aus der Google-Suche fehlen. Die typischen Ursachen sieht man der neuen Seite nicht an: vergessene Adressen, fehlende Weiterleitungen oder eine Suchmaschinensperre, die niemand aufgehoben hat. Mit dieser Checkliste planst Du Deinen WordPress-Relaunch so, dass Deine Sichtbarkeit den Umzug möglichst unbeschadet übersteht.
Vorher: Mach eine Bestandsaufnahme
Du kannst nur erhalten, was Du kennst. Halte deshalb fest, was die alte Website heute leistet, bevor am neuen Theme gebaut wird. Das ist später Dein Fahrplan für die Weiterleitungen und Dein Maßstab nach dem Livegang.
Alle URLs erfassen
Verlass Dich beim Sammeln nicht auf eine einzige Quelle: Ein Crawler übersieht Seiten, auf die nichts mehr verlinkt, und eine Sitemap ist nicht immer vollständig. Kombiniere deshalb:
- einen Crawl der alten Website, inklusive Seitentitel, Meta-Description und Überschriften jeder Seite,
- die bestehende XML-Sitemap,
- die Seiten aus dem Leistungsbericht der Google Search Console,
- die meistbesuchten Einstiegsseiten aus Google Analytics 4.
Erfasse dabei auch Bilder, PDFs und andere Dateien, die verlinkt sind oder in der Bildersuche auftauchen.
Rankings und Backlinks sichern
Exportiere die Suchanfragen und Seiten aus dem Leistungsbericht der Search Console, jeweils mit Klicks, Impressionen und durchschnittlicher Position. Ergänze aus Google Analytics 4, welche Seiten Anfragen oder Verkäufe bringen. Das sind nicht immer die offensichtlichen: Stell Dir einen Malerbetrieb vor, dessen alter Blogartikel über Schimmel im Bad mehr Anfragen bringt als jede Leistungsseite. Wer diesen Blogartikel beim Aufräumen löscht, merkt es erst, wenn das Telefon stiller wird.
Im Bericht „Links“ der Search Console siehst Du außerdem, welche Deiner Seiten von anderen Websites am häufigsten verlinkt werden. Zeigen diese Links nach dem Relaunch auf eine Fehlerseite, ist ihr Nutzen für Besucher und Suchmaschinen dahin.
Weiterleitungen: Von der alten zur neuen URL
Ändert sich beim Relaunch eine URL, etwa weil Du die Permalink-Struktur anpasst oder Seiten neu sortierst, braucht die alte Adresse eine dauerhafte Weiterleitung mit dem Statuscode 301. Sie schickt Besucher und Suchmaschinen zur neuen Seite und signalisiert Google, dass der Umzug endgültig ist.
Jede alte Adresse, die Besucher, Links oder Google kennen, braucht nach dem Relaunch eine bewusste Entscheidung: Weiterleitung auf ein passendes neues Ziel oder, wenn es keins gibt, eine hilfreiche Fehlerseite.
Die Weiterleitungstabelle
Leg eine Tabelle an: links jede alte URL aus Deiner Bestandsaufnahme, rechts ihr neues Ziel. Dabei gelten vier Regeln:
- Thematisch passend: Die alte Seite zur Badsanierung zeigt auf die neue Seite zur Badsanierung. Viele Adressen pauschal auf die Startseite umzuleiten, verwirrt Besucher, und Google kann das als Soft-404-Fehler werten.
- Direkt zum Ziel: Vermeide Ketten, bei denen A auf B und B weiter auf C zeigt. Das gilt auch für Weiterleitungen aus früheren Umbauten.
- Zusammenlegen mit Plan: Fasst Du ähnliche Seiten zusammen, leitest Du alle auf die neue Seite. Welche Seite welches Suchthema übernimmt, klärt eine saubere Keyword-Recherche.
- Kein Ersatz: Gibt es keine Entsprechung mehr, ist eine hilfreiche Fehlerseite ehrlicher als eine erzwungene Weiterleitung.
Umsetzung in WordPress
Die Weiterleitungen legst Du mit einem Weiterleitungs-Plugin oder direkt auf dem Server an, bei Apache-Servern zum Beispiel in der .htaccess-Datei. Geh nicht davon aus, dass WordPress geänderte Adressen von selbst richtig zuordnet, sondern prüfe jede Zeile Deiner Tabelle.
Und lösch die Weiterleitungen nicht nach ein paar Wochen wieder. Google empfiehlt, sie möglichst lange beizubehalten, generell mindestens ein Jahr.
Inhalte und Metadaten: Was rankt, zieht mit um
Ein neues Design ist kein Grund, gut rankende Texte zu kürzen oder auszutauschen. Für welche Suchanfragen eine Seite gefunden wird, hängt eng mit ihrem Inhalt zusammen. Übernimm diese Texte im Kern und prüfe für jede wichtige Seite:
- Seitentitel und Meta-Description: übernommen oder bewusst neu formuliert, aber nie leer und nicht überall gleich.
- Überschriften: Gerade bei Page-Buildern lohnt der Blick in den Quelltext: echte Überschrift oder nur groß formatierter Text?
- Bilder: Alt-Texte mitnehmen. Ändern sich die Adressen wichtiger Bilder, bekommen auch sie eine Weiterleitung.
- Interne Links: Links in Texten, Menü und Footer zeigen direkt auf die neuen URLs, ohne Umweg über eine Weiterleitung. Das empfiehlt auch Google.
- Technik: Canonical-Tags, strukturierte Daten und noindex-Einstellungen im SEO-Plugin kontrollieren. Ein falsch gesetztes Häkchen kann ganze Bereiche aus dem Index nehmen.
Wechselst Du das SEO-Plugin, nutze die Importfunktion des neuen Plugins, falls vorhanden, und prüfe das Ergebnis in Stichproben. Je weniger Du gleichzeitig änderst, desto leichter findest Du später die Ursache, wenn sich Rankings bewegen. Größere inhaltliche Überarbeitungen kannst Du auch nach dem Livegang angehen, Schritt für Schritt mit einem Content-Plan.

Testumgebung: Abschirmen statt Bitten
Gebaut wird am besten in einer Testumgebung, auch Staging genannt. Die hat in Suchmaschinen nichts verloren, sonst landet im schlimmsten Fall eine halbfertige Kopie Deiner Website in den Suchergebnissen.
Das WordPress-Häkchen ist nur eine Bitte
Im Menü „Einstellungen“ unter „Lesen“ bietet WordPress das Häkchen „Suchmaschinen davon abraten, diese Website zu indexieren“. Es setzt ein noindex in den Quelltext, also die Anweisung, die Seiten nicht in den Index aufzunehmen. Darunter steht allerdings: „Es ist Sache der Suchmaschinen, dieser Bitte nachzukommen.“ Außerdem bleibt die Baustelle für jeden abrufbar, der die Adresse kennt.
Besser: Passwortschutz auf dem Server
Zuverlässiger ist ein Passwortschutz auf Serverebene, den viele Hoster im Kundenbereich anbieten. Google nennt ihn ausdrücklich als Weg, Inhalte aus der Suche herauszuhalten. Ungeeignet ist eine Sperre per robots.txt, denn sie verbietet nur das Crawling. Eine gesperrte Adresse kann trotzdem in den Suchergebnissen erscheinen, und Google sieht ein noindex auf der Seite dann gar nicht.
Livegang: Sperre raus, Weiterleitungen rein
Plane den Livegang für einen ruhigen Tag, an dem jemand Zeit hat, Fehler sofort zu beheben. Freitagnachmittag vor dem Urlaub ist genau der falsche Moment. Dann der Reihe nach:
- Sicherung der alten und der neuen Website anlegen.
- Neue Website auf die echte Domain bringen und alle Adressen der Testumgebung in der Datenbank ersetzen, mit einem Werkzeug, das serialisierte Daten korrekt behandelt, etwa WP-CLI. Manche Hoster erledigen das automatisch.
- Weiterleitungen aktivieren.
- Das Häkchen in den Leseeinstellungen entfernen.
- Passwortschutz von der Live-Website nehmen und die robots.txt prüfen: Ein „Disallow: /“ hat dort nichts zu suchen.
- Stichproben im Quelltext machen: kein noindex auf wichtigen Seiten, keine Links, Bilder oder Canonical-Tags mit der Adresse der Testumgebung.
- Die alte URL-Liste crawlen: Bis auf bewusst entfernte Inhalte sollte jede Adresse selbst laden (Statuscode 200) oder per 301 direkt auf eine Seite führen, die das tut.
- Kontaktformulare und Google Analytics 4 testen.
- Die Website-Adresse im Google-Unternehmensprofil prüfen, falls sich die Zielseite geändert hat.
Danach: Kontrolle in der Google Search Console
Wechselst Du beim Relaunch gleichzeitig die Domain, kommen eigene Schritte dazu, etwa das Tool zur Adressänderung.
Sitemap einreichen
Reiche im Sitemaps-Bericht unter „Neue Sitemap hinzufügen“ Deine neue XML-Sitemap ein, die je nach Einrichtung WordPress selbst oder Dein SEO-Plugin erzeugt. Der Status sollte „Erfolgreich“ lauten. Solange das Häkchen in den Leseeinstellungen gesetzt ist, liefert WordPress seine eigene Sitemap übrigens gar nicht aus.
Indexierung und Fehler prüfen
Der Bericht zur Seitenindexierung zeigt, welche Seiten im Index sind und warum andere fehlen. Dass alte Adressen dort als „Seite mit Weiterleitung“ auftauchen, ist gewollt. Genauer hinschauen solltest Du hier:
- Nicht gefunden (404): Prüfe, ob eine Weiterleitung fehlt.
- Weiterleitungsfehler: zum Beispiel Schleifen oder zu lange Ketten.
- Gründe mit „noindex“ oder „robots.txt“ im Namen: Taucht dort eine wichtige Seite auf, ist eine Sperre stehen geblieben.
- Soft-404-Fehler: Solche Fehler können auf unpassende Weiterleitungsziele hindeuten.
Einzelne Seiten prüfst Du mit dem URL-Prüftool: Ist die Seite im Index, welche kanonische URL hat Google gewählt, und kann Google die aktuelle Version abrufen („Live-URL testen“)? Für Deine wichtigsten neuen Seiten kannst Du dort „Indexierung beantragen“.
Ergebnisse vergleichen
Vergleiche im Leistungsbericht Klicks und Impressionen mit der Zeit vor dem Relaunch, für die wichtigsten Seiten einzeln. Hat sich die Adresse einer Seite geändert, stellst Du die Werte der alten URL vor dem Relaunch denen der neuen URL danach gegenüber. Vorübergehende Schwankungen sind nach größeren Änderungen normal, darauf weist auch Google hin. Eine Garantie für stabile Positionen gibt es bei keinem Relaunch. Bleibt eine zentrale Seite aber deutlich unter ihrem alten Niveau, hilft der Blick in die Bestandsaufnahme: Fehlt Text, hat sich der Seitentitel geändert, zeigt die Weiterleitung auf das richtige Ziel?
